Die Geschichte der Milch

Zur Zeit der sogenannten neolithischen Revolution begann der Mensch – zuvor ein Jäger und Sammler – mit Ackerbau und Viehzucht. In dieser Zeit begannen die ersten Menschen Milch von Tieren zu trinken. Laut der Wissenschaft soll dies in Mesopotamien vor rund 10’000 Jahren so weit gewesen sein.

Anmerkung: Mesopotamien entspricht der heutigen Lage von Iran, Irak, Teilen Pakistans und angrenzender Länder.

Sumerer stellten in diesem Teil der Welt dann bereits vor rund 7’000 Jahren Butter und Käse in ihren Tempelmolkereien als Opfergabe für die Götter und für Butterlampen her. In der Antike waren Milch und Honig ein Synonym für Schönheit, Reichtum und Geisteskraft. Die Milch ist Sinnbild des Lebens und bekommt einen sehr hohen Stellenwert unter den Lebensmitteln.

Doch übersehen wird, dass es sich bei den Muttertieren biblischer Zeiten nicht um die uns heute bekannte Milchkuh handelt, sondern je nach Region zum Beispiel um Ziegen-, Schafs- Kamel- oder Büffelmilch. Die Bezeichnung „Kuh“ wird für viele Muttertiere gebraucht, man denke an die Elefantenkuh oder die Giraffenkuh.

Im Mittelalter wurden polnische Auerochsen domestiziert, nicht jedoch der Milch wegen, sondern um sie als Arbeitstiere zu benutzen. Der Auerochse gab rund 500 Liter Milch pro Jahr. Der Rücken dieses noch sehr kleinen Tieres und Vorfahrens der heutigen Milchkuh reichte gerade mal bis zum menschlichen Bauchnabel. Der letzte Auerochse starb 1627 in einem fürstlichen Tiergarten in Polen.

 

Die Entwicklung der Milchmenge

Die „moderne“ Milchkuh gibt es erst seit cirka zweihundert Jahren. 1850 züchtete und handelte man Kühe bereits wegen ihrer guten Milchqualität. Noch war die Milchmenge konstant: genau so viel, wie ein Kalb zum Wachstum brauchte.

Um 1900 lieferte eine Milchkuh rund 2’000 Liter Milch pro Jahr. Korrekt wird die Milchmenge in Kilogramm angegeben. Da aber das spezifische Gewicht von Wasser und Milch beinahe identisch ist, bleibt es hier bei der griffigeren Angabe in Litern. Noch um 1975 waren Bauern stolz auf Milchkühe mit einer Lebensleistung von 100 000 Litern Milch. Diese Milchmenge gaben die Kühe in 15 bis 20 Lebensjahren.

Seit 1970 hat sich die Milchleistung pro Kuh fast verdoppelt: von 3.500 Liter Milch pro Jahr im Jahr 1970 auf 7.000 Liter im 2012. Hochleistungskühe bringen es bereits auf 10’000 Liter und mehr, Turbokühe liefern einigen Berichten zufolge bis zu 30 000 Liter Milch pro Jahr. Das sind durchschnittlich 100 Liter pro Tag! Das Herz einer solchen Kuh muss 40 000 Liter Blut pro Tag durch das Euter pumpen.

Wenn man berücksichtigt, dass knapp 400 Liter Blut durch den Euter der Kuh strömen müssen, um einen Liter Milch zu erzeugen, ist leicht vorstellbar, dass hohe Produktionsmengen auch zu Lasten der Gesundheit der Tiere möglich ist. Kein Wunder, dass eine Hochleistungskuh nach wenigen Jahren vollkommen ausgelaugt ist. Eine glückliche Kuh auf der Weide gibt nur 20 bis 25 Liter Milch. Die Milch der grasenden Kuh ist zudem gehaltvoller, mit mehr Eiweiß und gesünderem Fett.

Und die Kühe bringen weiterhin nur ein Kalb zur Welt. Die Hochleistungskuh könnte mit der Milchmenge eines Jahres 60 Kälber gross ziehen. Bewundernswert ist diese Leistung auch, weil sie von normalen Milchkühen an ca. 305 Tagen (Laktationsperiode oder Melkzeitraum) im Jahr vollbracht wird und das quasi ihr ganzes Kuhleben lang. Was veranlasst sie also, derartig viel Milch zu produzieren?

Zum Vergleich: Eine gute Milchkuh im heutigen Indien gibt rund 1300 Liter Milch pro Jahr. Indiens Landwirtschaft gehört zu den ineffizientesten der Welt. Rund 70 Prozent des indischen Milchmarktes liegt in den Händen kleiner Betriebe. Trotzdem gilt das Land der grösste Milchproduzent der Welt. Gut die Hälfte der aktuellen indischen Produktion ist Büffelmilch, der Rest stammt von rund 45 Millionen Kühen.

Die Krankheitsanfälligkeit der Milchkühe ist erheblich, und ihre Osteoporoserate ebenfalls. Auch ist die Zusammensetzung der Milch je nach Milchleistung und Kraftfuttermischung starken Schwankungen unterworfen. Insbesondere der Orotsäuregehalt der Milch sinkt bei hohen Produktionsraten. Orotsäure stärkt die Immunabwehr des Kalbes und auch des Menschen. Der durchschnittliche Kraftfutterzusatz beträgt 2’500 Kilogramm pro Jahr und Kuh, doch die moderne Zusammensetzung des Futters hat sich dramatisch verändert. 

Hohe Milchleistungen und Maschinenmelkung führen immer wieder zur Mastitis (Entzündung des Euters) mit Einengungen des Zitzenkanals. Den Milchabflussstörungen wird mit Verweilröhrchen oder Einschnitten begegnet, wodurch wiederum das Eintreten von Bakterien und Wundsein begünstigt wird.

Sowohl die Milchmenge, als auch eine relativ lange Laktationsperiode der Milchkuh werden hormonell gefördert. Um bereits während der Laktation eine erneute Befruchtung zu ermöglichen, wird mit Östrogen und Gestagen im Futter nachgeholfen. Diese Hormone treten teilweise in die Milch über gelangen somit, sofern sie nicht wieder durch Erhitzung zerstört werden, zum Verbraucher, wo sie weiter in die hormonelle Regulation des Menschen einwirken. Möglicherweise hat das hohe Brustkrebsrisiko bei Frauen auch mit dieser regelmässigen Zufuhr von weiblichen Geschlechtshormonen in unterschwelligen Dosen zu tun.

Das alleine wäre Grund genug, keine Milchprodukte zu sich zu nehmen.

Herzlich, Gertrud von MILCHfrei kochen

Quellen: Schweizer Bauer, Welttierschutz, Sebastian Bartning: Milch ohne Mumm


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